Samstag, 12. Oktober 2013

Mittelerde Treffen, Teil 1 – Review Wahlkampf

Ich war heute bei dem Treffen "Mittelerde" der Piraten. Die Veranstaltung war als Barcamp für interessierte Piraten aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen angekündigt und von Tina Otten und Florian A. Unterburger "organisiert".

Meine Hoffnung war, daß man dort länderübergreifend und themenorientiert zusammenarbeitet und, ganz konkret bei dieser Veranstaltung, eine Aufarbeitung des Wahlkampfes der Bundestagswahl vornimmt, die zu einer Verbesserung der Vorbereitung und Durchführung der kommenden Landtagswahl in Sachsen führen würde.

Extra für den Tag hatte ich mich vorbereitet, Stunden gegenüber meiner Familie freigeschaufelt und, optimistisch gestimmt, auf Gleichgesinnte gehofft.

Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, daß die Veranstaltung den angekündigten Barcampcharakter nicht haben sollte und auch die Diskussion über den Zweck von Mittelerde eine ungute Wendung nahm, mehr dazu später im zweiten Teil…

Ich bin davon unabhängig auch sehr gespannt, ob und wie Ergebnisse des Treffens in Ergebnisse münden. Wie sagte heute ein anderer Teilnehmer aus Thüringen: "Das Treffen könnte man nächste Woche mit den gleichen Leuten nochmal machen und es würde genau das gleiche erzählt werden."

Möge er sich irren – die Hoffnung stirbt zuletzt. Hier mein "Protokoll":


Teil 1 – Review Wahlkampf


Die Veranstaltung fing ganz hoffnungsvoll an, weil Mark N. (Wahlkampfkoordinator Sachsen) einen kurzen Abriß lieferte, der durch Beiträge aus Anhalt und Thüringen ergänzt wurde.

Großes Thema waren zum einen die partielle Überforderung der Wahlkampfkoordinatoren, zum anderen die nicht funktionierende Kommunikation zu und von den Kandidaten, Mitgliedern und Vorständen.
Die akute Not Mitglieder zu motivieren mitzuhelfen, war ein weiterer großer Themenblock.

Anstatt jetzt genau an den Punkten anzusetzen, driftete die Diskussion in der Runde weg zu Detailfragen, die für sich genommen wichtig waren (zB. Wahlprüfsteine), die aber nicht lösbar sind, wenn die grundlegenden Probleme, die von Mark ua. ja angesprochen wurden, nicht in ihren Wurzeln analysiert werden.

Schrecklich fand ich, daß im folgenden die Diskussion zu schnellen Rezepten, wie "Wir brauchen Köpfe statt Themen", "Wir müssen Fläche eben mit Postwurf bedienen" oder "Dann müssen wir das eben so machen, wie die XY-Piraten, die haben 15 Prozent geholt" abglitt.

2009 hatten wir wenig Leute und noch weniger Geld. Aber wir hatten Leute, die höchst motiviert waren. Zur Bundestagswahl gab es aber zB. gewählte Kandidaten, die faktisch gar nicht in Erscheinung getreten sind.

Wir hätten eigentlich darüber reden müssen, wo es gelang Mitglieder zu motivieren im Wahlkampf mitzumachen und warum gelang es woanders nicht?
Wir hätten darüber reden müssen, warum waren die Wahlkampfkoordinatoren, Vorstände oder Kandidaten überfordert und wieso konnten die nicht entlastet werden? Und wo hat es geklappt?

Wir hätten darüber reden müssen, wieso die Kommunikation an mehreren Stellen hakte und wie könnte man dies zukünftig vermeiden?

Wir hätten darüber reden müssen, wie realistisch eine Materialschlacht mit Wahlplakaten zu planen und zu führen ist, wenn in Städten mit >100.000 Einwohnern nur 5-15 aktive Mitglieder gab?

Wir hätten darüber reden müssen, welche Fehler in der Themensetzung begangen wurden und warum diese passierten? Lag es an der Koordination? Wo hat es geklappt und warum?

Konnten Kandidaten irgendwo besonders gut punkten und warum? Wo gelang das nicht?

Aber genau diese Fragen sind unbequem. Wir alle hätten uns da Fehler eingestehen müssen…

Ich hätte mir gewünscht, daß wir mit Mittelerde eine Basis gelegt hätten, zukünftig diese Fehler zu erkennen, zu vermeiden und ein Signal in die anderen Verbände der Partei hätten senden können, aufzustehen, Staub abzuklopfen, sich Notizen machen, einen Schritt zurückzugehen um neue Wege zu finden.

Stattdessen sah es nach aufstehen, abschütteln, Anlauf nehmen und erneut gegen die Wand rennen aus.

Manchmal ärgert mich mein Anspruch an die Lernfähigkeit dieser Partei.